Psycho-Quatsch: Freundschaften

Aufgrund aktueller Anlässe und Vorkommnisse in meinem Leben, möchte ich ein bisschen über Freundschaften schreiben. Was für mich Freundschaft ausmacht, aber auch, ab wann ich Grenzen ziehen muss, weil eine Freundschaft nicht mehr gut tut. Ja, dass man manche Freundschaften auch beenden muss.

Freundschaft – was bedeutet das für mich?

Man lernt im Laufe seines Lebens jede Menge Menschen kennen. Mit manchen kann man nichts oder wenig anfangen, mit anderen macht es Klick und man schwimmt auf einer Wellenlänge. Letzteres wünsche ich jedem zu erleben, Freundschaften sind so unglaublich bereichernd – wenn sie denn gesund sind. (Dazu später mehr.)

Freundschaft bedeutet für mich, dass dieser Mensch und ich in vielen Meinungen und Ansichten übereinstimmen, man also eine Gesprächsbasis hat. Der Humor sollte passen, man will ja auch miteinander lachen. Doch auch ernste Themen können angesprochen, Probleme bestenfalls miteinander gelöst und Lebensabschnitte erreicht werden. Wichtig ist für mich auch der Zusammenhalt und die Loyalität. Ich stehe zu meinen Freunden, kann ihnen aber auch sagen, wenn sie Scheiße gebaut haben. Genauso anders herum. Das wäre der Idealfall. Passt von all den Dingen alles wunderbar und perfekt – Voilà! – *beste/r* Freund/in Material!

Die Sache mit der Loyalität und den Problemen

Unbegrenzte Loyalität kann jedoch auch schädlich sein. Hat einer meiner Freunde richtig Scheiße gebaut, sieht es partout nicht ein und verwickelt sich immer mehr in einen Strudel aus Bullshit, muss ich die Reißleine ziehen. Kann ich so überhaupt nicht für seinen Standpunkt einstehen, ist das jedoch immer wieder Thema und belastet unsere Beziehung, dann kann ich so nicht weitermachen. So schwer mir das auch fällt und so weh es tut.

Anderes Beispiel: Er verhält sich auf einmal völlig daneben, verletzt Leute (vielleicht sogar welche, die mir wichtig sind oder mich selbst), zieht mich nur noch runter, bereichert mein Leben nicht mehr, sondern erschwert es, dann mutiert er zu einem Energievampir. Und das kenne ich nur zu gut.

Hier fange ich mich an zu distanzieren, muss es auch, sonst frisst es mich auf. Ich bin sehr anfällig für solche Dinge und bevor es meine Depressionen noch schlimmer macht, muss ich da die Verbindung notfalls auch endgültig kappen, sollte es nicht allein mit Distanz klappen. So etwas ist schwer und es widerstrebt mir, weil ich meinem Freund helfen möchte, doch gleichzeitig weiß ich, dass ich es nicht KANN.

Wo ist die Grenze?

Bei mir gibt es nicht die eine große Grenze, sondern mehrere Triggerpunkte, die ich für mich entdeckt habe.

1. Freue ich mich, wenn ich diesen Freund sehe? Wenn Ja, alles gut. Wenn Nein, warum nicht? Ist es nur ein kleiner Konflikt, der aus der Welt geschafft werden kann oder schon etwas ernsteres?

2. Kann ich mit diesem Freund darüber sprechen oder werden meine Worte abgeblockt? (Hier ist gemeint: geht er auf meine Sorgen bezüglich unserer Freundschaft ein, nimmt er Tipps an, ist er offen für Konversation,…)

3. Meine Gedanken und Gefühle vor einem Treffen. Habe ich regelrecht Angst davor, diesen Menschen zu sehen, weil ich weiß, mir wird es danach schlecht gehen? Mache ich mir Sorgen, was passieren könnte, wenn dieser Mensch anwesend ist? Merke ich, dass ich die Beherrschung verlieren könnte? (Hier meine ich meine emotionale Beherrschung.)

Diese drei Punkte sind meine grobe Richtlinie. Daran merke ich, ob mir jemand gut tut oder nicht. Oft rede ich in für mich unsicheren Situationen auch mit meinem Freund oder meiner besten Freundin darüber und hole mir Feedback. Es könnte ja sein, dass ich in einigen Fällten überreagiere (durch Depressionen, Anxiety, etc.). Manchmal tu ich mir auch einfach schwer in sozialen Situationen und bevor ich etwas schlimmer mache, hole ich mir andere Sichtweisen. Es dauert also etwas bis ich dann wirklich endgültig über einen Freundschafts-Cut nachdenke, da muss schon einiges im Argen liegen.

Ich stehe an so einem Punkt. Ich will diese Freundschaft nicht beenden, doch wenn es so weitergeht, muss ich es. Ich kann einfach nicht mehr und fühle mich vor und nach den Treffen mit dieser Person so ausgelaugt und auch manchmal aggressiv. Weil ich einfach nichts tun kann!

Ich habe schon öfter Freundschaften pausiert oder einfach nicht mehr daran festgehalten. Aber das hier fühlt sich anders an – größer. Keine Ahnung, was ich tun soll. Oder wie. Aber irgendetwas muss getan werden, so gehts nicht weiter.

Peace out.

Lasst gerne eure Meinung da.

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